Empfehlung oder Ratschlag?

Eine Empfehlung unterscheidet sich grundsätzlich nicht von einem Ratschlag. Der Unterschied zwischen einem Ratschlag und einer Empfehlung liegt in der wahrgenommenen Bedeutung, der Verbindlichkeit und der Rechtmäßigkeit der Empfehlung oder des Rates.

Einer Empfehlung wird in der Regel weniger Gewicht und Bedeutung beigemessen als einem Ratschlag. Es wird in der Regel erwartet, dass ein Ratschlag zunächst logisch und nachvollziehbar begründet wird. Ratgeber sind allgegenwärtig, teilweise auch rechtlich geregelt (bei Anwälten zum Beispiel), aber der Begriff „Empfehlungsgeber“ existiert praktisch nicht.

Was jedoch oft übersehen wird, ist die Tatsache, dass auch Empfehlungen gut begründet, logisch und nachvollziehbar sein können, auch wenn sie nur auf Erfahrungen oder Meinungen beruhen.

Ein sogenannter Influencer kann eigentlich als Empfehlungsgeber gelten, denn die meisten Empfehlungen von Influencern sind lediglich Meinungen und Erfahrungen und das ist auch vollkommen in Ordnung so.

Niemand wird eine Google-Bewertung im Internet als Ratschlag betrachten, sondern eher als Empfehlung.

Unsere Wahrnehmung der Information gibt die Bedeutung vor und nicht der Begriff oder Bezeichnung „Empfehlung“ oder „Ratschlag“.

Sowohl Empfehlungen als auch Ratschläge sind nur dann hilfreich, wenn wir einen effektiven Nutzen davon haben. Wie diese Informationen genannt werden (Empfehlung oder Ratschlag), ist nichts anders als persönliche Geschmackssache.

Ratschlag mit Schlag

Manche Ratschläge erfordern eine bestimmte Taktik, um richtig verstanden zu werden. Mit einfachen Argumenten kommt man in solchen Fällen meist nicht weiter. Druck an sich ist jedoch selten erfolgreich, denn Druck erzeugt bekanntlich Gegendruck, und damit ist niemandem gedient.

Ratschläge mit einem Schlag zu erteilen, bedeutet natürlich nicht, physische Gewalt anzuwenden oder vielleicht jemanden zu ohrfeigen, sondern die blockierenden Gedankenketten zu durchbrechen. Der schnellste Weg, dieses Ziel zu erreichen, besteht darin, die unerwünschten Gedankenketten sofort zu unterbrechen.

Die plötzliche Ablenkung der Aufmerksamkeit ist eine geeignete Methode, um einen solchen Schlag auszuführen. Entscheidend ist dabei, dass die Unterbrechung plötzlich erfolgt und die Aufmerksamkeit tatsächlich abgelenkt wird. Ein einfacher Themenwechsel ist in der Regel nicht geeignet und gilt nicht als Beratung mit einem Schlag. Der Schlag in diesem Sinne soll einen sofortigen Perspektivenwechsel ermöglichen oder zumindest anregen.

Ein Beispiel für einen Ratschlag mit einem Schlag kann eine einfache Frage sein, die absolut nichts mit dem aktuellen Thema zu tun hat. Wenn diese Frage die vorherigen Gedanken unterbricht, dann war der Schlag erfolgreich.

Ein anderes Beispiel kann die Ablenkung auf einen anderen Sachverhalt sein, etwa auf einen fiktiven Vogel, der draußen seltsam fliegt. Der Vogel muss nicht existieren, aber wenn er angeschaut und die vorherige Gedankenkette dadurch unterbrochen wird, dann war auch dieser Schlag erfolgreich.

Erst zuhören, dann reden, egal, wie alt du bist

Gestern wurde ich gebeten, eine Gruppe von sechs Jugendlichen bei der Vorbereitung einer Gerichtsverhandlung zu beraten und zu coachen. Die Beratung einer Gruppe ist an sich schwierig, weil unterschiedliche Meinungen, Persönlichkeiten und Lebenseinstellungen gleichzeitig berücksichtigt werden müssen.

Passiert ist genau das, was immer passiert, auch bei Erwachsenen. Es gab welche, die sehr viel geredet haben und welche, die gar nichts gesagt haben. Daraufhin habe ich meine Taktiken und Methoden angepasst und alle waren dann angemessen und gleichermaßen involviert.

Trotzdem ist eine Eigenschaft immer vorhanden: Das Bedürfnis zu reden. Mit klaren Strukturen und Vereinbarungen kann dieses Bedürfnis jedoch angemessen unterbunden werden und so war es bei den jungen Menschen. Anschließend kamen alle zu Wort, aber schön der Reihe nach und mit gegenseitigem Respekt für die Meinung anderer.

Und dann kamen zwei Eltern von den Jugendlichen unerwartet dazu und beide hatten das Bedürfnis zu reden. Beide Eltern haben alles besser gewusst und hatten eine starke Meinung, wie alles zu laufen hat.

Ich war dann fertig und habe meine Beratung und Coaching somit beendet.

Wir jammern oft über die Jugendlichen von heute, aber es kommt immer wieder vor, dass es die jungen Menschen sind, die eher bereit sind, zuzuhören und zu lernen, während die älteren und angeblich erfahrenen Menschen damit Schwierigkeiten haben.

Die 10 Gebote für Life-Coaches

Diese Gebote widerspiegeln meinen Einstellungen und langjährigen Erfahrungen aus der Praxis als Life-Coach in der Hoffnung, dass sie nicht belehrend, sondern richtungsweisend wirken:

  1. Du sollst nicht coachen, bevor du eine Analyse durchgeführt hast.
  2. Du sollst nicht coachen, wenn du nicht danach gefragt wurdest.
  3. Du sollst keine Tatsachen mit Meinungen vermischen.
  4. Du sollst keine unverständlichen Begriffe oder Worte verwenden.
  5. Du sollst die Frage verstehen, bevor du eine Antwort darauf gibst.
  6. Du sollst so viel wie notwendig coachen und gleichzeitig so wenig wie möglich.
  7. Du sollst nicht Kompetenz mit Überheblichkeit verwechseln.
  8. Du sollst deine Kunden mögen.
  9. Du sollst nicht anfangen zu coachen, bevor ein Ende des Coachings vereinbart wurde.
  10. Du sollst zugeben können, wenn du nicht mehr coachen kannst oder willst.

Die 10 Gebote für Life-Coaches und Unternehmensberater sind fast identisch, denn die Gebote sind für Menschen in zahlreichen Berufen gültig, wenn sie anderen Menschen erfolgreich und respektvoll helfen oder unterstützen möchten.

10.09.2023 – Ergänzung: Die Links zum jeweiligen Gebot wurden hier eingetragen.

Wenn die Antwort zu kurz ist, dann ist dein Problem zu lang

Viele von uns haben die Tendenz, Probleme zu verbinden.

Wir haben ein Problem mit der Arbeitszeit und möchten flexiblere Arbeitszeiten genießen. Als das Thema Arbeitszeit behandelt wird, wird plötzlich klar, dass der Vorgesetzte offensichtlich bestimmte Mitarbeiter bevorzugt.

Als das Thema Vorgesetzter behandelt wird, kommt heraus, dass ein altes Computerprogramm die Arbeit verschlechtert und daher sind viele Mitarbeiter unzufrieden.

Als das Problem mit dem Computerprogramm angegangen wird, kommt heraus, dass die Klimaanlage im Büro seit Jahren nicht mehr richtig funktioniert und daher melden sich Mitarbeiter gelegentlich krank.

Es geht dann weiter und weiter und weiter. Kommt dir so etwas bekannt vor?

Diese Thematik ist absolut üblich in der Unternehmensberatung und im Life-Coaching. Probleme werden verbunden und daher sind die Lösungen oft nicht effektiv.

Es ist meistens produktiver, sinnvoller und realistischer, viele kleinen Probleme zu lösen als ein einziges großes Problem. Wenn die Antwort zu kurz ist, dann ist dein Problem meistens zu lang.