Schlechte Dinge erinnern uns oft an gute Dinge

Der Geschirrspüler hat uns jahrelang gute Dienste geleistet, und niemand in der Familie hat sich groß Gedanken über dieses Gerät gemacht. Höchstens, wenn kein Spülmittel mehr da war, aber sonst eigentlich nie.

Gestern ging der Geschirrspüler kaputt. Seltsame Geräusche waren das letzte Lebenszeichen dieses Geräts und dann war Schluss. Es passierte nichts mehr.

Erst dann haben wir angefangen, über das Gerät nachzudenken. Wann haben wir eigentlich diesen Geschirrspüler gekauft? So lange kann das doch nicht her sein.

Meine Frau erzählte mir dann, dass sie das Gerät schon vor unserer Heirat gekauft hatte.

Wir sind dieses Jahr 34 Jahre verheiratet.

Mir war das Alter des Geräts nicht bewusst, besonders nach so vielen Jahren.

Wieder war es etwas Schlechtes (der Geschirrspüler ging kaputt), das mich an etwas Gutes erinnerte (der Geschirrspüler lief mehr als 34 Jahre lang und überlebte den Bedarf an sauberem Geschirr von vier Kindern).

Es gibt sehr viel Gutes um uns herum, manchmal müssen wir nur hinschauen (oder einfach warten, bis etwas kaputtgeht), damit wir alles wahrnehmen können.

Übrigens, ohne Werbung zu machen, aber für den Fall, dass es jemanden interessiert, welche Marke der Geschirrspüler war, es war ein Miele.

Nicht hetzen, aber beeilen

Wenn du es eilig hast, ist die Wortauswahl entscheidend.

Hetze besitzt eine eingebaute Entschuldigung, die uns von der Eigenverantwortung befreit. Hetze erlaubt uns auch dazu, Schritte aus zeitlichen Gründen zu überspringen.

Aber wenn wir uns beeilen, erkennen wir, wie kostbar der gegenwärtige Augenblick ist. Wir arbeiten schneller und gezielter, weil wir es eilig haben und daher fokussiert sind.

Es gibt einen schmalen Grat zwischen Hetze und Eile.

Aber die Wortwahl kann uns eine Orientierung geben.

Wenn die Zeit nicht reicht

Ich habe heute wirklich keine Zeit und vielleicht kommt dir diese Aussage bekannt vor. Ich habe den Wecker heute Morgen einfach nicht gehört und ich kann an einer Hand abzählen, wie oft mir das in meinem Leben schon passiert ist. Ich hatte einfach verschlafen.

Nun, das kann passieren, machen wir das Beste daraus, oder? Ein guter Vorsatz, aber leider reicht die verbleibende Zeit nicht aus, um alle Aufgaben zu erledigen, trotz bester Vorsätze.

Wenn so etwas passiert, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die fehlende Zeit zu kompensieren. Termine können abgesagt, verkürzt oder neu angesetzt werden. Aufgaben können umorganisiert, delegiert oder neu geplant werden.

Was zumindest für mich sehr hilfreich war, war, mir selbst und anderen gegenüber offen darüber zu sprechen, was tatsächlich vorgefallen ist.

Ich musste mir erst einmal eingestehen, was passiert war, und nicht versuchen, so zu tun, als hätte ich nicht verschlafen. Danach war ich einfach offen und ehrlich zu anderen Menschen, anstatt das, was wirklich passiert war, mit Erklärungen und Rechtfertigungen zu verschleiern.

Die Einstellung kam offensichtlich gut an, denn die Leute, die Termine mit mir hatten, waren sehr flexibel und verständnisvoll. Die meisten von ihnen haben sogar darüber gelacht. Termine wurden umorganisiert, aber nicht von mir, sondern von ihnen, um mir zu helfen.

Es war der offene und ehrliche Umgang miteinander, der mir mehr Zeit verschaffte, als mir die Zeit davonlief. Es waren andere Menschen, die mir mehr Zeit geben konnten, als meine eigene Zeit nicht mehr ausreichte.

Nachrichten im Fernsehen mit einer bestimmten Dauer

Die mit Abstand beste Nachrichtensendung aller Zeiten im Fernsehen würde so beginnen:

Guten Tag, meine sehr verehrte Damen und Herren,

heute ist nicht viel Erwähnenswertes in der Welt passiert. Wir kürzen daher unsere Sendung, um Ihre kostbare Zeit nicht unnötig zu verschwenden …

Natürlich ist dies nur Wunschdenken und wird nie eintreten, was uns zu der Frage bringt, warum denn eigentlich nicht? Müssen Nachrichten wirklich immer erst ausgesucht oder unnötig erweitert werden, damit die Sendezeit der Nachrichtenkanäle immer gefüllt ist?

Das bringt uns auch zu der Frage, wenn eine Nachrichtensendung immer nur eine bestimmte Zeitspanne hat, könnte es sein, dass man diese Nachrichten anderswo schneller und gezielter bekommen kann als im Fernsehen?

Eilig nach den Feiertagen

Viele Menschen hatten ein langes Osterwochenende und haben etwas anderes als sonst unternommen oder gar nichts gemacht, was auch gut und entspannend sein kann. Und jetzt, ab heute, kehrt der Alltag zurück, und viele Menschen sind plötzlich in Eile.

Das merkt man besonders beim Autoverkehr. Offensichtlich gibt es viele tolle Angebote, die nur für kurze Zeit verfügbar sind und die Leute nur deswegen heute wesentlich schneller als üblich fahren, wohl um diese Angebote nicht zu verpassen. Eine plausible Erklärung, oder?

Aber Spaß beiseite, diese eine Aussage ist nicht ganz falsch, nur Angebote sind nicht dabei. Es gibt tatsächlich etwas, das wir nach einem langen Wochenende schnell nachholen wollen und manchmal auch müssen: Informationen einholen.

Wir müssen über die neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten werden. Was ist über das lange Wochenende passiert? Was gibt es Neues? Es gibt einen neuen Monat, was muss jetzt gerade deswegen getan werden? All diese Fragen erklären und begründen, warum viele Menschen heute in Eile sind.

Mein Begriff für dieses Phänomen heißt: Alltags-Akklimatisierung.

Wir müssen uns an die neuen Bedingungen anpassen und uns zurechtfinden. Genau wie im Urlaub müssen wir uns an veränderte Wetterbedingungen, vielleicht neue Zeitzonen und andere Umgebungen anpassen.

So ist das ebenfalls nach einem langen Wochenende. Die Alltags-Akklimatisierung ist in vollem Gange.