Kurze E-Mails und Briefe haben gewisse Vorteile, denn sie ermöglichen uns eine schnelle Auffassung des Sachverhalts. Die E-Mail, die ich vor ein paar Tagen bekommen habe, hat diese Vereinfachung jedoch komplett verfehlt.
Die E-Mail kam mit folgendem Inhalt:
„Bitte öffnen Sie die Anlage.“
Kein „Sehr geehrte Damen und Herren“ oder „Guten Tag, Herr Blaz“, nur dieser eine Satz.
(Anschließend kamen natürlich die Pflichtangaben für E-Mails, aber sonst nichts.)
Da der Absender dieser E-Mail ein von mir beauftragter und bekannter Rechtsanwalt war, habe ich den PDF-Anhang geöffnet.
Da kam ein vollständiges Schreiben mit Briefbogen, unterschrieben und gestempelt, mit folgendem Satz:
Mein Zeichen: XXXX
Sehr geehrte Damen und Herren,
in der vorbezeichneten Angelegenheit erinnere ich an die Erledigung meines Schreibens vom 24.02.2023.
Mit freundlichen Grüßen
Rechtsanwalt XXXX.
Das Ganze wurde mir ein wenig zu bunt, besonders weil ich am nächsten Tag damals die Antwort schon gesendet hatte und die Kanzlei meine Antwort entweder übersehen oder vergessen hatte. Noch schlimmer war für mich anzusehen, welcher Aufwand für eine einfache Frage getrieben wurde. Und dazu auch noch unpersönlich.
Es blieb mir nichts anderes übrig, als das Gleiche zu tun wie meine Antwort.
Meine E-Mail an die Kanzlei lautete daher:
„Bitte öffnen Sie die Anlage.“
(Natürlich auch mit Pflichtangaben, aber sonst nichts.)
Meine Anlage als PDF war ein vollständiges Schreiben von mir mit Unterschrift und Stempel:
Mein Zeichen: XXXX
Sehr geehrte Damen und Herren,
in der vorbezeichneten Angelegenheit wird auf meine E-Mail vom 25.02.2023 erinnert.
Mit freundlichen Grüßen
David Blaz
Die Sache war für mich erledigt.
Dann kam der Anruf.
Es war die Sekretärin dieser Kanzlei. Sie hat einfach nur laut gelacht, und als sie damit fertig war, hat sie mir dann gesagt, dass sie selbst noch nie eine solche bescheuerte E-Mail mit bescheuertem Anhang bekommen hat. Sie hat sich herzlich dafür bedankt, dass ich ihr einen Spiegel vorgehalten hatte und damit ein wenig Aufmerksamkeit auf das eigene Verhalten der Kanzlei brachte. Es hätte sonst niemand gemacht.
Wenn wir E-Mails und Briefe mit einem einzigen Satz verfassen können, dann sollte vielleicht die Frage gestellt werden, ob es nicht zweckdienlicher wäre, anders vorzugehen, als solche Mühen zu machen.
Wenn es wirklich nicht notwendig ist, dann warum machen wir es immer noch so?