Einwände und Vorwände

Diese Woche habe ich mehrfach die Erfahrung mit Einwänden und Vorwänden machen müssen.

Zur Erinnerung: Ein Einwand ist ein echtes und objektives Anliegen, das auf einem tatsächlichen Problem beruht und mit Argumenten angegangen werden kann, während ein Vorwand eine fadenscheinige Ausrede ist, die dazu dient, den wahren Grund für die Ablehnung oder die Angst, „Nein“ zu sagen, zu verschleiern.

Die Eltern nahmen nicht an der Hochzeit ihrer eigenen Tochter teil, weil sie niemanden hatten, der für ein paar Stunden auf den Hund aufpassen konnte. Ernsthaft? Leider ja.

    An dieser Stelle kann es sich lohnen, die wahren Gründe der Nichtteilnahme zu hinterfragen, sonst werden solche Vorwände in der Zukunft möglicherweise immer wieder vorkommen, denn Einwände sind sie ganz klar nicht. Das Problem lag sicherlich nicht am Hund.

    Diese Woche fand außerdem eine Feier zum 50. Geburtstag statt, zu der die ganze Familie eingeladen war. Die Feier wurde zwei Monate im Voraus angekündigt und fand an einem Samstagabend in der Nähe statt.

    Der eine Bruder hat jedoch aus zeitlichen Gründen abgesagt. Ernsthaft? Leider ja.

    Es muss jedoch betont werden, dass es in der Vergangenheit zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Brüdern gekommen ist und dies der wahre Grund für die Absage war.

    Schon wieder einen Vorwand (zeitliche Gründe) anstatt einen Einwand (Stress in der Vergangenheit) zu benutzen.

    Das Problem liegt in beiden Fällen an der Lösung selbst, denn ohne die wahren Gründe für ein Verhalten zu kennen, sind die vorgeschlagenen Lösungen wenig vielversprechend – sie gehen überhaupt nicht auf die eigentlichen Probleme ein, sondern lediglich auf die Vorwände.

    Es ist immer schwieriger, imaginären Vorwänden entgegenzutreten als konkreten Einwänden.

    Offenheit und Ehrlichkeit sind Schlüsselfaktoren für den Umgang miteinander. Stress und Meinungsverschiedenheiten werden wir immer haben, aber ohne die Grundlage (Offenheit und Ehrlichkeit) werden wir unser Leben unnötig schwer machen, und geeignete Lösungen nicht finden.

    Und Eltern werden weiterhin die Hochzeiten ihrer Kinder verpassen, und Brüder werden weiterhin die Geburtstage ihres Bruders verpassen.

    Meine Empfehlung: Rede offen und ehrlich darüber, warum du nicht kommen möchtest, und stehe dazu, ganz konkret. Menschen können sich ändern, aber eine verpasste Hochzeit oder Geburtstagfeier kann nie wieder nachgeholt werden.

    Nur mit Offenheit und Ehrlichkeit können wir in Zukunft weniger solche Feierlichkeiten verpassen.

    Die Nachbarnerlaubnis

    Die Nachbarerlaubnis ist ein Begriff für die vorläufige Rechtfertigung der eigenen Tätigkeit oder Denkweise.

    Der Nachbar macht es so oder denkt so, daher handele ich ebenfalls so.

    Die Nachbarnerlaubnis befreit vorläufig von der Pflicht und Mühe einer Auseinandersetzung mit der eigenen Tätigkeit oder Denkweise.

    Entscheidend in Erinnerung zu behalten, ist die vorläufige Natur einer solchen Erlaubnis.

    Die Nachbarnerlaubnis kann uns eine Orientierung geben, wenn die Zeit für eine Entscheidung oder für eine Handlung knapp wird.

    Die Vorläufigkeit muss jedoch anschließend bewertet und die Richtigkeit und Anwendbarkeit der Rechtfertigung, geprüft werden.

    Der Nachbar hat möglicherweise recht und die Erlaubnis war gerechtfertigt.

    Und möglicherweise soll der Nachbar seine Haustür vielleicht eine Weile lieber geschlossen lassen.

    Das Problem mit der Philosophie sind oft die Philosophen

    Seit ich mich erinnern kann, habe ich mich für Philosophie interessiert, weil es mir einfach wichtig war, die menschliche Existenz zu erforschen, zu hinterfragen und zu verstehen.

    Leider ist es schwer, allein von der Philosophie zu leben, und obwohl ich mich deshalb anderen Bereichen zugewandt habe, kehre ich doch immer wieder zu den Grundlagen der Philosophie als einer Art „Grundlage des Denkens“ zurück.

    Ich mache das nun schon seit fast vierzig Jahren, und eines habe ich in dieser Zeit gelernt.

    Meiner Ansicht nach tut ein Philosoph der Philosophie keinen Gefallen, wenn er einen nicht dazu anregt, selbstständig zu denken – selbst wenn man seine Ansichten nicht teilt.

    Belehrende Philosophen sind genauso inspirierend wie die Zollpfändung.

    Neugier und Wissensdurst entstehen und werden durch Inspiration genährt; ohne diese Grundlage der Inspiration kann ein Philosoph schlichtweg nicht wirkungsvoll sein, und manchen Philosophen gelingt es einfach nicht, zu inspirieren und anzuregen.

    Das ist zwar schade, aber nach vierzig Jahren Erfahrung mit der Philosophie ist das so ziemlich eine Tatsache.

    Die Philosophie bildet oft die spätere Grundlage des eigenen Denkens.

    Wenn dir die Philosophie nicht gefällt, probier es mit einem anderen Philosophen, aber gib niemals deine Suche nach Weisheit und dem Sinn des Lebens auf.

    Der Masse folgen: Eine kurze Erklärung

    Um diesen Beitrag im Sinne dieses Blogs zu halten und langwierige Erklärungen zu vermeiden, müssen einige Aspekte des Sachverhaltes, wie eine Erklärung des sogenannten „Herdenverhaltens“ oder eine Erläuterung der psychologischen subjektiven Normen usw., weggelassen werden.

    Das hat zwar seine Vor- und Nachteile, aber für ein grundlegendes Verständnis der Botschaft dieses Beitrages und als Einstiegspunkt für weitere Überlegungen oder Nachforschungen, reicht diese kurze Erklärung aus.

    „Der Masse zu folgen“ hat evolutionäre Wurzeln, die einst dazu beigetragen haben, das Überleben so gut wie möglich zu sichern.

    Heutzutage schließen sich die Menschen der Masse an, entweder um sich nicht isoliert zu fühlen oder aus Unsicherheit.

    An sich ist nichts Falsches daran, der Masse zu folgen, um nicht isoliert zu sein.

    Das kann jedoch problematisch sein, wenn man aus Unsicherheit der Masse folgt.

    Es lohnt sich daher zu fragen: Folge ich selbst der Masse, bewusst oder unbewusst? Welche Masse? Warum? Wozu? Kann ich mich mit dieser Masse identifizieren?

    Das klingt fast wie eine „Montagsfrage“, und vielleicht wird es bald eine hierzu geben.

    Der Masse zu folgen hat somit Vor- und Nachteile.

    Entscheidend ist, dass die Vorteile die Nachteile überwiegen, und um das zu erreichen, müssen wir uns einen Moment Zeit nehmen, um über unser Verhalten nachzudenken, darüber, was wir tun, wie wir es tun, und mit wem wir es tun.

    Das war eine kurze Erklärung, und ich hoffe, sie war hilfreich für dich und gibt dir Denkanstöße – und inspiriert dich vielleicht sogar dazu, aktiv zu werden, wenn du das Gefühl hast, dass es das Richtige ist.

    Das Beste, was du deinen Nachkommen hinterlassen kannst

    Es handelt sich nicht um die übliche Ausbildung, die man in der Schule oder an der Universität erhält.

    Es geht auch nicht um die Erinnerungen an die vielen Urlaube, die ihr vielleicht in der Vergangenheit gemeinsam verbracht habt.

    Leider ist das Beste, was man seinen Nachkommen hinterlassen kann, auch kein großes Erbe, auch wenn sie das im Moment vielleicht ganz anders sehen.

    Das Beste, was man seinen Nachkommen hinterlassen kann, sind Prinzipien.

    Prinzipien bilden eine solide Grundlage für die Gestaltung der eigenen Regeln und Einstellungen und dienen als feste Basis für alle Aspekte der eigenen Lebenseinstellung.

    Man entscheidet sich für etwas oder tut es, weil man es will, nicht weil man es so gelernt hat.

    Die Fähigkeit, selbst zu entscheiden, wie man sein Leben gestalten, was man daraus machen und wie man dabei vorgehen möchte, ist einer der wichtigsten Faktoren, die zu Zufriedenheit und Glück beitragen, und diese Fähigkeit hat ihren Ursprung in den Prinzipien.

    Auf diese Weise vermitteln wir die Grundlage für ein glückliches und erfülltes Leben, auch wenn ohnehin niemand ein glückliches Leben garantieren kann.

    Und ist es nicht genau das, was wir uns für unsere Nachkommen wünschen – dass sie glücklich sind und ein erfülltes Leben führen?