Die wiederholte Unwahrheit

Die Nachricht von einem Freund war so unglaublich, dass man sofort fragt: „Bitte, wiederhol das noch einmal.“

Man bittet um Wiederholung, obwohl die Nachricht klar verstanden wurde; es war nur so, dass der Inhalt der Nachricht überraschend war.

Nach der Wiederholung verankerte sich die Botschaft noch fester im Gedächtnis, weil sie nicht nur überraschend war, sondern durch die Wiederholung auch an Kraft gewann. 

So funktioniert fast die gesamte Werbebranche, denn auch wenn wir bestimmte Musikstücke oder Szenen in Werbespots nicht mögen, bleiben sie durch Wiederholung in unserem Gedächtnis gespeichert.

Das Hauptproblem bei Wiederholungen ist die Akzeptanz, die sie mit der Zeit schaffen. 

Wenn man etwas wiederholt hört oder liest, wird die Botschaft immer glaubwürdiger, einfach weil sie so oft und von so vielen Menschen wiederholt wurde. 

So funktionieren die meisten Bewertungsportale, denn man überlegt sich zweimal, ob man ein Restaurant besucht, das nur schlechte Bewertungen hat. 

Theoretisch sind Bewertungen und Wiederholungen nicht unbedingt schlecht, aber die Praxis hat immer wieder gezeigt, dass es Missbrauchspotenzial gibt, und dieses Potenzial wird zunehmend ausgenutzt, um persönliche Ziele zu verfolgen und von der Wahrheit abzulenken.

In der Psychologie wird dieses Phänomen als „illusorischer Wahrheitseffekt“ bezeichnet: Je öfter Menschen eine Aussage hören, desto eher glauben sie, dass sie wahr ist, weil sie ihnen vertraut erscheint. 

Nur weil eine Nachricht wiederholt wird, sollte man sie nicht bedingungslos glauben, bevor man ein wenig recherchiert hat, um herauszufinden, ob sie wirklich wahr ist oder nicht.

Wenn es wichtig ist oder eine Entscheidung beeinflussen könnte, dann sind Wiederholungen allein kein guter Leitfaden und auch nicht das einzige Kriterium, um gute Entscheidungen zu treffen und die Wahrheit zu finden. 

Lügen gedeihen durch Wiederholung, deshalb werden sie so oft wiederholt. Man muss sich nur der Wiederholung bewusst sein.