Streitgespräche verstehen

Streitgespräche miteinander zu führen, können wir alle.

Es gibt eine ganze Industrie, die sich damit beschäftigt, zu erklären, wie man Streitgespräche gewinnen kann.

Leider werden Menschen, die Streitgespräche verlieren, oft als Verlierer bezeichnet.

Sie haben nicht die besten Argumente gebracht oder sie waren ihrem Gesprächspartner rhetorisch unterlegen.

Das ist eine bedauerliche und auch oberflächliche Betrachtungsweise für die Menschen, die angeblich ein Streitgespräch „verloren“ haben, unabhängig davon, wieso oder weshalb.

Denn es sind die Menschen, die angeblich nicht gewonnen haben, die dazu beigetragen haben, dass ein Sachverhalt oder ein Thema überhaupt behandelt wird. Ohne das Streitgespräch, kein Vorwärtskommen mit dem jeweiligen Thema.

Um Streitgespräche besser zu verstehen, muss man zunächst verstehen, was erreicht werden soll — eine weitere Klärung oder ein tieferes Verständnis von etwas, oder eine Unterhaltung durch einen verbalen Schlagabtausch?

Beide Varianten können unterhaltsam sein, aber damit wir Streitgespräche effektiv verstehen können, müssen wir wissen, was damit erreicht werden soll.

Geht es bei politischen Streitgesprächen wirklich und tatsächlich vorwiegend und primär um die jeweiligen Sachverhalte, oder eher um die eigene Position, um mehr Zustimmung zu erhalten?

Die Vorgehensweisen bei den Gesprächen unterscheiden sich nämlich je nach Zielsetzung.

Eine Debatte, die sich zu einem lebhaften Schlagabtausch entwickelt, kann unterhaltsam sein, doch meist sind es gerade die Gespräche, die oft langweilig erscheinen, die am meisten Substanz bieten.

Bei Talkshows im Fernsehen ist es fast undenkbar, solche Gespräche zu führen, denn die Zuschauer wollen meistens etwas anderes sehen und erleben.

Das ist auch völlig in Ordnung so, es muss nur verstanden werden, was man damit bekommt.

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