In einer Arztpraxis ist es für viele Menschen das Schlimmste: das Warten, bis man aufgerufen wird.
Die Zeit scheint sich einfach nicht zu bewegen und das Lesematerial ist wohl übrig geblieben aus den Restposten der 80er-Jahre.
Viele Leute starren einfach auf ihr Handy und die Hardcore-Leseratten nehmen sich die Restposten zu sich und blättern gezwungenermaßen durch, nur um die Zeit zu vertreiben.
Andere Leute machen die Augen zu und versuchen vielleicht, ein wenig zu entspannen. Jedes Mal, wenn jemand hereinkommt oder hinausgeht, öffnen sie kurz die Augen, kontrollieren, dass alles noch in Ordnung ist, dann machen sie die Augen wieder zu.
Ein paar Leute starren sogar lediglich ununterbrochen auf den Boden. Möglicherweise wollen sie vorbereitet sein, wenn der Boden sich plötzlich bewegt, denn einen anderen Grund, auf den Boden zu starren, außer die Zeit so zu vertreiben, kann ich gerade nicht erkennen.
Es gibt auch einen anderen Mann, der die anderen Menschen im Wartezimmer ebenfalls beobachtet, so wie ich es gerade tue. Er hat vermutlich den Lesestoff schon vor Jahren durchgelesen und ist sich sicher, dass der Boden sich nicht bewegen wird. Oder er überlegt sich gerade, was ich gerade tue und denke.
Es ist manchmal erstaunlich, wie unsere Gedanken sich entfalten können im Wartezimmer einer Arztpraxis. Die Schlussfolgerungen müssen zwar nicht unbedingt stimmen, aber die Übung an sich, einfach zu beobachten, ist in fast allen Fällen aufschlussreich.
Und eine solche Übung ist auf jeden Fall immer besser, als sich mit dem uralten Lesestoff aus vergangenen Jahren zu beschäftigen.
Was alles möglich ist zu tun, während wir warten? Die Grenzen setzen wir doch selbst.