Die meisten von uns helfen anderen Menschen gerne. Was tust du aber, wenn du so derart fähig bist, dass du tatsächlich überall zahlreichen Menschen helfen kannst und auch möchtest, aber einfach nicht die Zeit dafür hast?
Helfersyndrom ist für mich ähnlich wie eine Sucht. Du freust dich sehr darüber, dass du jemandem geholfen hast, aber bei diesem Einmal bleibt es meistens nicht.
Helfersyndrom wird auch in unserer Gesellschaft gerne gesehen. Menschen, die rund um die Uhr für wohltätige Zwecke arbeiten und ihre Freizeit dafür opfern, werden hochgeschätzt. Die Belohnung durch Anerkennung ist Teil des Problems. Dass es immer Bedarf für Hilfe gibt, ist ein weiteres Teil des Problems.
Wann ist das Helfersyndrom ein Problem?
Die gesunde Grenze ist überschritten, wenn ein Ausgleich dauerhaft selbst nicht mehr erwünscht wird.
Zeitweise auf einen Ausgleich zu verzichten, ist unproblematisch und manchmal notwendig (bei längeren Arbeiten in Krisen oder Naturkatastrophen). Wenn das Verlangen zu helfen jedoch auf Dauer wichtiger wird als andere Aspekte im Leben und ein Ausgleich nicht mehr erwünscht wird, dann ist das problematische Helfersyndrom erkennbar.
Wie kann das Helfersyndrom reguliert werden?
Eine Schutzmöglichkeit ist, unterschiedliche Interessen regelmäßig zu pflegen. Allein durch die Interessenverteilung ist eine Fokussierung auf nur einen Bereich schwieriger dauerhaft aufrechtzuerhalten. Mit unterschiedlichen Interessen wird der Zwang zur Hilfe verteilt und die Auswirkungen somit reduziert.
Übrigens: Eine übliche Antwort auf das Helfersyndrom ist es, einfach nein zu sagen, wenn Menschen nach Hilfe fragen. Klingt interessant, oder?
Leider funktioniert das in der Praxis nicht immer und ist wirklich keine effektive Hilfe. Ich kenne persönlich Menschen, die nein sagen können und trotzdem im Dauereinsatz sind — unterwegs mit dem Helfersyndrom.
Stets einen Ausgleich zu haben, Vielfalt zu genießen und eine aufmerksame Fokussierung auf unterschiedliche Aspekte im Leben sind bewährte Methoden, um sich aus dem Helfersyndrom zu befreien.