Unbemerkte Wiederholungen

Manchmal ist es uns nicht ganz bewusst, womit wir uns täglich beschäftigen und was uns bewegt. Vieles ist selbstverständlich geworden und wir machen uns keine Gedanken darüber.

Mir ist genau das passiert hier im Blog.

Am vergangenen Freitag habe ich einen Beitrag geschrieben:

Wahre Experten nennen sich nicht selbst Experten

Der Beitrag behandelt das Thema Expertentum und welche Absichten häufig dahinterstecken.

Dann wurde ich von einer Leserin dieses Blogs aufmerksam gemacht, dass ich das gleiche Thema vor etwas über einem Jahr auch behandelt hatte, mit „fast“ dem gleichen Titel. Der Beitrag war vom 20. Mai 2022:

Wahre Experten nennen sich selbst nicht Experten

Die Titel sind fast identisch, auch wenn der Inhalt unterschiedlich ist.

Das Interessante dabei war die Tatsache, dass ich diese fast identischen Titel und Themen gar nicht bemerkte, denn ich führe weder Protokoll noch habe ich einen „großen Plan“ für Veröffentlichungen und Themen.

Was meines Erachtens für andere Menschen aktuell, relevant und nützlich sein kann, wird veröffentlicht und nicht, was populär oder gerade „heiß“ ist.

Klar, die Berichte liegen 14 Monate auseinander und es kann immer etwas passieren. Interessant wird das Ganze, wenn wir daraus Denkrichtungen erkennen können und die Tatsache, dass der Verfasser des Textes tatsächlich glaubt, woran er schreibt und berichtet. Dieses Wissen offenbart häufig mehr über diese Menschen, als unzählige Selbstdarstellungen jeweils machen können.

Die Angst als Wegbegleiter

Die Angst ist kein guter Ratgeber, aber als Begleiter kann die Angst für uns nützlich sein. In der Entwicklung der Menschheit war die Angst lebensnotwendig, um uns vor Gefahren zu schützen. Diese Gefahren sind überwiegend nicht mehr in der heutigen westlichen Gesellschaft vorhanden, aber sie stecken noch in uns drin.

Angst ist ein Signal, eine Mitteilung, ein Hinweis. Wie wir auf diese Impulse reagieren oder eingehen, ist entscheidend. Natürlich ist das leichter gesagt als getan.

Die Angst ist dafür da, um uns vor Gefahren zu warnen und das ist auch gut so. Es liegt jedoch an uns selbst zu unterscheiden zwischen Ängsten, die uns dienen und Ängsten, die nicht realistisch oder unbegründet sind.

Die Angst kann ein guter Wegbegleiter sein, wenn wir unsere Ängste gelegentlich sagen, sie soll einfach die Klappe halten und die unrealistischen von den tatsächlichen möglichen Ängsten unterscheiden.

Wahre Experten nennen sich nicht selbst Experten

Es gibt eine einfache Methode, um wahre Experten zu erkennen und Scharlatane zu entlarven. Achte darauf, wie sie sich selbst nennen. Vielleicht auf einer Visitenkarte, als Schild an der Tür oder im Internet. Das Wort „Experte“ darf in der Beschreibung nicht vorkommen.

Der Begriff „Experte“ ist rechtlich nicht geschützt und daher darf sich jeder ein Experte nennen.

Die Verwendung dieser Bezeichnung wurde in den vergangenen Jahren vermehrt vorgeschlagen, besonders von vielen selbsternannten „Experten“, damit man sich von der Masse abheben kann. Die Bezeichnung soll auch Vertrauen erwecken und Kompetenz signalisieren.

Wer das glaubt, wird selig.

Die Zeiten der Scharlatane sind gezählt. Heutzutage ist es weder erforderlich noch vorteilhaft, sich selbst als Experte zu bezeichnen. Entweder kannst du deine Arbeit machen oder nicht. Entweder bist du wirklich hervorragend in deiner Arbeit, oder eben nicht. Expertentum an sich ist nicht aussagekräftig und sagt es uns gar nichts über wahre Kompetenzen aus.

Die wahren Experten erhalten diese Bezeichnung immer von anderen Menschen verliehen. Sie nennen sich niemals selbst so.

Regenschirme und Autos

Es gibt einen eBay-Shop, der Autoteile und Zubehör verkauft und in diesem Sortiment, gibt es auch Regenschirme zu kaufen. Was haben Regenschirme mit Autoteile und Zubehör zu tun?

Das sind originale Regenschirme der Automobilmarke Skoda. Es sind diese kleinen Regenschirme, die sich falten und zusammenklappen lassen und in einer kleinen Tasche aufbewahrt werden können. Das sind diese Regenschirme, die man überall im Supermarkt oder beim Discounter sieht. Die kosten in der Regel um die fünf Euro.

Die originalen Regenschirme von Skoda werden in diesem eBay-Shop für knapp 15 € verkauft. Der dreifache Preis.

Und sie werden ohne Ende verkauft.

Warum bezahlen so viele Menschen den dreifachen Preis für einen einfachen Regenschirm? Ich habe drei Kunden, die bereits Regenschirme gekauft hatten, offen danach gefragt.

Die Antworten von den drei Kunden waren gleich und überraschenderweise hatten sie gar nichts mit einer vorgestellten besseren Qualität oder Verarbeitung der Schirme zu tun. Es ging allen Käufern lediglich darum, eine Einheitlichkeit zu verspüren. Ich fahre einen Skoda, daher sollte ich auch einen Skoda Regenschirm haben, auch wenn der Preis doch im Verhältnis sehr teuer ist im Vergleich zu anderen Schirmen.

Apple und andere Marke nutzen diese Taktik seit Jahren erfolgreich aus. Erst die Beziehung zum Kunden aufbauen, dann läuft der Verkauf von allein. Du identifizierst dich mit einer Marke und bist dieser Marke treu.

Dieses Gefühl schafft Vertrauen durch Bekanntheit, aber nicht zwangsläufig durch Innovation oder bessere Qualität und schon gar nicht durch einen besseren Preis. Es ist allein die Vertrautheit zur Marke, die Regenschirme mit Autos verbinden kann.

Vertrautheit durch Gewohnheit.

Wenn wir dieses Verhalten, die uns selbstverständlich allen betrifft, richtig wahrnehmen, dann werden wir in der Lage sein, bessere und objektivere Entscheidungen zu treffen, welche Marken es verdienen, unsere Vertrautheit zu genießen.

Kein Gutes ohne Schlechtes

Bevor wir etwas als gut oder schlecht abstempeln können, müssen wir es zunächst bewerten. Diese Bewertung signalisiert uns, ob es gut oder schlecht ist (oder etwas dazwischen).

Aber wie es zu dieser Bewertung gekommen ist, wissen wir manchmal einfach nicht. Abgesehen von den Grundgefühlen wie Freude, Überraschung oder Ekel, sind es unsere Erfahrungen im Leben, die unser Urteilsvermögen verfeinern und verändern können.

Mit der Zeit bewerten wir auch anders. Manche Menschen würden sagen, wir bewerten erfahrener, intelligenter oder vielleicht sogar kluger.

Wir können „besser“ bewerten, weil wir sowohl Gutes als auch Schlechtes erfahren haben.

Niemand will Schlechtes erfahren oder erleben. Aber ohne Schlechtes zu haben, würden wir nicht wissen, was Gutes ist oder wann wir Gutes erleben. Alles wäre selbstverständlich und monoton.

Schlechtes zu erfahren erinnert uns auch, das Gute besser zu erkennen und einzuschätzen.

Dieses Wissen hilft uns, besser durch schlechte Zeiten zu kommen und die guten Zeiten wirklich zu genießen und wertzuschätzen.