Zeit zum Lesen

Gestern habe ich mich mit einem Freund unterhalten, der jedes Jahr circa 50 Bücher liest, und das seit Jahren.

Diese Leistung ist für mich einfach nicht vorstellbar, obwohl ich jeden Tag selbst viel lese.

Ich musste natürlich fragen, wie er das überhaupt schafft, und daher dürfte ich selbstverständlich und wie erwartet zunächst seine Weisheit als Antwort bekommen, dass ich einfach schneller lesen soll.

Nachdem wir beide ein wenig über seine beabsichtigte und gelungene Klugscheißer-Weisheit gelacht haben, hat er mir erzählt, dass er viel Zeit damit verbringt und daher auf andere Aktivitäten bewusst verzichtet.

Essen und Trinken tut er zwar noch, aber sonst verzichtet er absichtlich auf Fernsehen, außer es gibt etwas Besonderes anzuschauen. Außerdem benutzt er jede Gelegenheit zum Lesen, wie wenn er im Zug unterwegs ist, oder im Wartezimmer auf einen Termin wartet.

Diese drei Punkte waren nachvollziehbar und verständlich: wenig fernsehen und sowohl im Zug als auch im Wartezimmer, die Zeit nutzen, um zu lesen.

Nur waren diese Anregungen für mich lediglich bedingt geeignet, denn obwohl ich tatsächlich kaum fernsehe, fahre ich doch wenig mit dem Zug und ich warte auch nicht übertrieben viel in Wartezimmern.

Es geht hier um die Zeit, die gefunden werden muss, um zu lesen. Als Selbstständiger, arbeite ich durchschnittlich 10 Stunden am Tag, auch an den Wochenenden. Manchmal viel mehr, aber gelegentlich auch weniger.

Diese Arbeit war für mich jedoch nie eine lästige Pflicht oder eine Belastung; sie hat mir stets Freude bereitet, und es hat mir Spaß gemacht, Menschen und Unternehmen zu helfen – das ist ein Teil von mir.

Und das war die eigentliche Antwort darauf, weshalb mein Freund es schafft, 50 Bücher im Jahr zu lesen.

Das Lesen von Büchern ist ein wichtiger Teil seiner Person, und deshalb nimmt er sich immer Zeit dafür.

Dieser kurze und lustige Austausch zwischen meinem Freund und mir hat mir wieder einmal vor Augen geführt, wie viel wir noch tun und erreichen können, wenn wir darüber nachdenken, wie wir unsere Zeit verbringen und wie wir uns damit identifizieren.

Und natürlich ein wenig schneller zu lesen wäre auch nicht schlecht. 🙂