Montagsfrage 12

Jeden Montag wird eine neue Frage gestellt, die dazu genutzt werden kann, die graue Masse zwischen den Ohren anzuregen und die Woche gedanklich aktiv zu beginnen.

Die heutige Montagsfrage lautet:

Wem vertraust du derzeit am meisten außerhalb der eigenen Familie oder Partnerschaft und warum?

Diese Frage ist nicht immer leicht zu beantworten und kann sich mit der Zeit und durch Erfahrungen auch ändern. Interessant sind die Erkenntnisse, weshalb wir diese eine Person im Moment am meisten vertrauen, denn diese Antwort offenbart sehr viel über uns selbst.

Denken und wissen, was andere Leute über uns denken

Wir glauben im Groben zu wissen, was andere Menschen über uns denken. Diese Vorstellung ist für uns auch vorteilhaft, denn somit können wir selbst andere Menschen einschätzen und zuordnen. Diese Einstellung spart uns Zeit und Mühen, die eine detaillierte und ausführliche Kenntnisnahme von anderen Menschen sonst erfordern würde.

Je mehr wir mit anderen Menschen interagieren, desto mehr können wir auch über sie wissen. Das liegt auf der Hand und klingt einfach logisch.

Aber sind unsere Denkweisen über diese anderen Menschen auch zutreffend, auch wenn wir sie tiefgreifend und näher kennenlernen?

Ein einfacher Test zu wissen, was andere Menschen über uns denken ist sie einfach danach zu fragen.

Wir werden in den meisten Fällen überrascht.

Nicht einfach glauben, was andere Menschen über uns denken, besonders wenn die Menschen für uns wichtig sind. Frag sie danach. Es schadet nicht und lohnt sich fast immer.

Unwichtig und doch wichtig

Ein Gespräch mit der Steuerberaterin eines Klienten gestern hat mich nochmals daran erinnert, wie wichtig unser Unwichtiges manchmal doch sein kann.

Vor Monaten hatte ich mit dieser Steuerberaterin gesprochen und es ging ihr nicht besonders gut. Sie hatte unheimlich viel Arbeit zu erledigen und im privaten Bereich hat sie paar Enttäuschungen geistig und selig noch zu verarbeiten.

Es war ein Durcheinander und sie hat das Gefühl, nichts erreichen und erledigen zu können, weil so viel gleichzeitig zu machen wäre.

Offensichtlich habe ich ihr damals den Tipp gegeben, alles aufzuschreiben, was sie an einem Tag gemacht hat, ob die Arbeit erledigt war oder nicht, war nicht wichtig, nur dass sie alles aufschreibt war entscheidend. Denn am Ende des Tages hat sie einen kleinen Überblick über die Tätigkeit des Tages, denn durch Stress und Belastung vergisst man viel und Ergebnisse werden nicht ganz wahrgenommen.

Sie hat wohl meinen Tipp umgesetzt und täglich alles aufgeschrieben. Sie wusste wohl nicht, was sie doch alles an einem Tag gemacht hat, denn die Ergebnisse waren durch den Stress einfach ausgeblendet. Diese Liste hat ihr geholfen, eine bessere Orientierung zu bekommen und mehr Gelassenheit zu erfahren.

Ganz ehrlich, ich kann mich nicht genau erinnern, ihr diesen Tipp gegeben zu haben, aber es kann sein und sie hat auch bestätigt, dass der Tipp von mir war.

Der Tipp war für mich vielleicht wohl unwichtig und nur beiläufig ausgesprochen worden, aber für diese Steuerberaterin war der Tipp doch wichtig und hat ihr geholfen und unterstützt, durch schwierige Zeiten durchzukommen.

Der Tipp war vielleicht unwichtig, aber doch wichtig. Manchmal erkennen wir das viel später, und zwar in vielen Bereichen.

Viel Arbeit ohne Wissen oder Anerkennung von anderen Menschen

Die Frau Müller von der Buchhaltung arbeitet wie eine Maschine und die anderen Mitarbeiter im Büro konnten das definitiv ebenfalls bestätigen, weil sie das Tippen von der Frau Müller dauerhaft mitbekommen haben. Von morgens bis abends tippt die fleißige Frau Müller und ihr Chef war stets zufrieden und die Buchhaltung war immer in Ordnung.

Eines Tages hat die Frau Müller plötzlich gekündigt.

Die Mitarbeiter im Büro waren geschockt und der Chef komplett fassungslos. Die Frau Müller hatte sich nie beschwert oder über ihre Arbeit gejammert. Auf Anfrage des Chefs hat die Frau Müller persönliche Gründe für die Kündigung angegeben und wollte sonst nicht tiefer darauf eingehen.

An ihrem letzten Arbeitstag hat der Chef die Frau Müller zu einem letzten und gemeinsamen Gespräch mit allen Mitarbeitern eingeladen, damit alle sich ordentlich voneinander verabschieden könnten. Als die Mitarbeiter gesammelt waren, war die Neugierde groß geworden und alle wollten wissen, was passiert war und warum die Frau Müller gehen wollte.

Wenn man aus persönlichen Gründen gehen möchte, denn ist diese Entscheidung zu respektieren und niemand hat Frau Müller nochmals nach den Gründen für die Kündigung gefragt. Es war aber zu spüren, dass die Mitarbeiter und Chef trotzdem wissen wollten, was eigentlich passiert war und die Frau Müller hat dann entschieden, etwas zu unternehmen.

Sie fragte dann „Viele von euch möchten wissen, warum ich gekündigt habe, aber bevor ich antworte, darf ich zwei Fragen stellen? Wenn ihr beide korrekt antwortet, dann nehme ich meine Kündigung zurück, aber wenn ihr die zwei nicht beantworten können, dann wünsche ich euch alles Gute und ich verabschiede mich endgültig, denn eine einzige Antwort allein reicht nicht aus.“

Totale Stille im Raum. Aber dann keine fünf Sekunden später haben alle Anwesenden gleichzeitig „ja, ja, ja, klar und selbstverständlich!“ gesagt.

Die Frau Müller stellte dann die erste Frage.

„Wir kennen uns seit fast zehn Jahren und alle hören mich rund um die Uhr tippen, oder?“

Die Antwort war leicht zu beantworten und von allen Menschen gleichzeitig zu hören:

„JA!“

Dann kam die zweite Frage.

„Was habe ich getippt die ganze Zeit?“

Nochmals Stille im Raum. Dieses Mal, lange Stille. Alle wussten, dass sie für die Buchhaltung zuständig war, aber keiner wusste so wirklich, was sie den ganzen Tag so tippte, auch ihr Chef nicht. Es blieb allen nichts anders übrig, als diese Antwort zu geben.

„Die Buchhaltung.“

Die Frau Müller hat sich dann von allen herzlichst verabschiedet und ging die Tür raus.

Die Antwort war falsch.

Die richtige Antwort und Zusammenfassung.

Frau Müller hat tatsächlich am Anfang in dieser Firma nur die Buchhaltung gemacht, Konten gebucht und Rechnungen kontrolliert. Diese Arbeit hat sie perfekt durchgeführt und sie hat Kontakt mit allen Mitarbeitern, die auch Schichtdienste gemacht haben.

Zwangsläufig kam die Frau Müller mit den Mitarbeitern ins Gespräch und viele haben sich über die Dienstpläne beschwert. Diese werden automatisch mit einem hausinternen EDV-System generiert und ausgedrückt. Alle Mitarbeiter haben sich danach zu richten.

Frau Müller hat langsam paar Änderungen bei den Schichtplänen gemacht, damit die Mitarbeiter besser damit klarkamen, aber keiner hat diese Änderung mitbekommen und alle dachten, es war das eigene EDV-System. Nach paar Jahren hat die Frau Müller die gesamten Arbeitspläne übernommen und bearbeitet für die gesamte Belegschaft übernommen.

Niemand in der gesamten Firma hat wahrgenommen, wie viel Arbeit diese Planungen erfordert und deshalb den ganzen Tag so tippen müsste.

Und eines Tages war ihr die Arbeit zu viel und sie stand kurz vor einem möglichen Burn-out. An diesem Tag hat sie entschieden, dass sie kündigen müsste.

Die Lektion.

Warum hat die Frau Müller einfach nicht gesagt, dass sie diese zusätzliche Arbeit macht? Diese Frage mag zwar berechtigt sein, aber sie ist nicht die korrekte Frage. Die korrekte Frage ist:

Warum hat der Chef nicht gewusst, was sie so tippt den ganzen Tag?

Es ist Aufgabe und Verantwortung der Führungskräfte zu wissen, was die Mitarbeiter machen, damit sie unterstützt und geholfen werden können. Diese Einstellung hat auch nichts mit einer Verletzung der Privatsphären zu tun, sondern ist Ausdruck der Fürsorge.

Lassen wir keine Frau Müllers mehr von uns gehen. Achten wir darauf, was unsere Mitarbeiter tun, und zwar aus Respekt und Fürsorge und nicht um zu kontrollieren oder zu protokollieren.

Dann bleibt die nächste Frau Müller doch länger bei der Firma.

Wenn die Kündigung zu schnell kommt

Du hast jahrelang für den gleichen Arbeitgeber gearbeitet und deinen Job hervorragend gemacht. Dann kam die Kündigung von heute auf morgen. Nicht wegen schlechten Leistungen, sondern weil deine Stelle einfach nicht mehr für die Firma relevant und gewinnbringend genug war. Und eine Versetzung kam leider nicht infrage, wegen internen Umstrukturierungen innerhalb der Firma.

Ein schwerer Schlag, vor allem weil die Kündigung so schnell kam.

Aber kam die Kündigung wirklich „zu schnell“?

In den meisten Fällen spüren wir, wenn unser Arbeitsplatz in Gefahr ist, auch wenn eine solche Ankündigung weder offiziell ausgesprochen noch anderweitig bekannt gemacht wurde. Wenn wir diese Gefahr vorher weder spüren noch wahrnehmen, dann liegt das oft an unserer konzentrierten und fokussierten Arbeit, die wir leisten und daher nehmen wir unsere Umgebung einfach weniger wahr. Oder liegt es an unser Desinteresse darüber, was außerhalb unserer unmittelbaren Zuständigkeit geschieht.

Die Arbeit optimal, fleißig und korrekt zu machen ist das eine. Die Umgebung außerhalb deiner unmittelbaren Arbeit im Blick zu halten, ist das andere.

Wenn beide funktionieren, dann kommt kaum eine Kündigung zu schnell.

Schnell vielleicht. Aber zu schnell lässt sich in den meisten Fällen vermeiden, weil man darauf zumindest ein wenig vorbereitet ist, nicht vollkommen überrascht ist und möglicherweise weitere Möglichkeiten bereits in Aussicht hat.