Die Auswahl sinnvoll auswählen

Viele von uns glauben, je mehr Möglichkeiten wir zur Auswahl haben, bevor wir eine Entscheidung treffen, desto besser. Diese Annahme ist zwar nachvollziehbar, aber doch nicht unbedingt hilfreich.

Nicht hilfreich daher, weil mehrere Auswahlmöglichkeiten uns den Entscheidungsprozess häufig erschweren. Je mehr Optionen wir haben, desto schwieriger wird es oft zu entscheiden.

Es ist meistens sehr hilfreich, wenn wir die Auswahl der Möglichkeiten, worüber wir zu entscheiden haben, gleich zu Beginn so weit wie möglich reduzieren.

Eine Reduzierung ist nicht in allen Fällen immer möglich oder sinnvoll, aber für Entscheidungen im Alltag, ist eine Reduzierung der Möglichkeiten meistens häufiger nützlich und hilfreich, als wir denken.

Was schadet es, die Auswahl wenigstens zu versuchen zu minimieren, bevor die Entscheidung getroffen wird?

Weniger ist immer noch mehr bei E-Mails

Trotz aller gegenteiligen Hinweise der letzten 20 Jahre, dass E-Mails komplett ersetzt werden, ist diese Entwicklung weiterhin nicht zu sehen. Selbstverständlich gibt es andere Möglichkeiten der Kommunikation mit Messengerdiensten, aber diese werden meistens zusätzlich zu E-Mail benutzt und nicht als vollständiger Ersatz.

Sicherlich gibt es auch andere Branchen, in denen E-Mails weniger, wenn überhaupt, benutzt werden, wie in der Forschung oder an vielen Universitäten, wie mir berichtet wird. Meistens geht es aber hier um die Interaktion miteinander, und da stoßen E-Mails doch an ihre Grenzen der Nützlichkeit und Anwendbarkeit.

Trotzdem werden E-Mails nicht so schnell verschwinden, und da sind wir wieder beim Thema.

Heute ist mir ein E-Mail-Newsletter zugestellt worden, mit Informationen über Ereignisse meines Hobbybereiches, dem Weltraum. Es ist eben mein Hobby und ich lese gerne kurze Informationen darüber. Ich schreibe KURZ, weil ich mich sonst nicht mit elend langen E-Mails beschäftigen möchte und schon gar nicht, wenn die E-Mails mit Werbung verseucht sind.

Daher habe ich mich für einen Newsletter angemeldet, mit dem Titel: Kompakt.

Genau mein Ding.

Dann kam der erste Newsletter.

Vier Artikel mit Links gleich am Anfang. Okay, wenn es dabei bleiben würde….

Dann kamen die meistgelesenen Artikel.

Wieso? Was hat das mit Kompakt zu tun?

Wieder vier Artikel.

Genug mit Kompakt? Schon lange nicht.

Jetzt kommt die Kolumne.

Wieder drei Artikel.

Ach, und jetzt kommen die Bilder der Woche, die dürfen wir natürlich nicht vergessen.

Und wenn wir dabei sind, packen wir noch zwei Podcast-Links dazu!

Fertig? Lange nicht.

Jetzt kommen die Themenseiten.

Zwei Artikel.

Jetzt etwas zum Thema Wissen.

Jetzt zum Thema Rätsel.

Und jetzt bekomme ich zehn weitere Links mit unterschiedlichen Themen aufgeführt.

Wow!

Glücklicherweise habe ich KOMPAKT ausgesucht und nicht AUSFÜHRLICH.

Das ist wieder ein klares Beispiel für eine E-Mail, die weder kompakt (trotz des Namens) noch wirklich nützlich ist, weil einfach zu viel angeboten wird.

Wenn die Leute sich dafür wirklich interessieren, dann bräuchten sie über eine Stunde, wenn sie schnell lesen und die Zeit dafür haben, um alles durchzulesen.

Solche E-Mails folgen dem Muster: Hauptsache, es wird geklickt, damit auch etwas verkauft werden kann.

Schade eigentlich. E-Mail abgemeldet.

Weniger ist mehr, aber kompakt bedeutet lange nicht weniger.

Wenn das Reden miteinander sich nicht mehr lohnt

Es wird oft suggeriert, dass wir die meisten Probleme unserer Zeit lösen können, wenn wir nur mehr miteinander reden würden. Wie aber so oft im Leben gibt es auch hier einen Unterschied zwischen der Theorie und der Praxis.

Manchmal kommt die Zeit, in der es sich nicht mehr lohnt, miteinander zu reden.

Die Frage ist nur, wann diese Zeit ist, und hier liegt oft der Fehler.

Viele von uns würden wahrscheinlich sagen, dass wir nicht mehr miteinander reden sollen, wenn unser Gesprächspartner uns nicht mehr zuhört oder reagiert, trotz mehrfacher Versuche. Wir versuchen immer wieder zu reden, aber es gibt keine oder eine negative Reaktion. Eines Tages kommt dann der Zeitpunkt, an dem wir sagen: Es reicht und es lohnt sich nicht mehr.

Der Fehler liegt in der Abhängigkeit von deinem Gesprächspartner.

Wenn dein Gesprächspartner nicht oder schlecht reagiert, DANN lohnt es sich nicht mehr.

Ich würde gerne anregen, dich von dieser Abhängigkeit und der Erwartung an andere zu befreien.

Die Erfahrung hat immer wieder gezeigt, dass wir oft selbst falsch einschätzen, wann der richtige Zeitpunkt ist, miteinander zu reden oder damit aufzuhören. Wir sind oft verärgert oder enttäuscht und haben keine Lust mehr, uns das anzutun, und wir reden dann nicht mehr.

Es waren aber dadurch andere Personen, die unsere Entscheidung bestimmt haben, und das sollte nicht relevant sein. Es gibt immer Gründe, die wir nicht kennen oder wahrnehmen, die es schwierig machen, einzuschätzen, wann genug, genug ist.

Das Reden miteinander lohnt sich erst dann nicht mehr, wenn wir selbst kein Interesse an einem gemeinsamen Gespräch haben und niemals durch das Verhalten unseres Gesprächspartners.

Das Altern in der Vorstellung und in der Realität

Ich sehe manchmal Bilder von Menschen, die ich aus meiner Jugend kenne und seit Jahren nicht wieder gesehen habe, teilweise sogar seit 40 Jahren nicht. Oft bin ich geschockt, wie diese Menschen nun aussehen.

Aber Achtung — geschockt bedeutet schon gar nicht schlecht!

Sie sehen einfach anders aus. Was anders ist, ist aber schwer zu beschreiben.

Es mag eine Selbstverständlichkeit sein, dass man sich mit der Zeit ändert, und ich selbst soll nichts anderes erwarten, wenn ich Menschen nach vier Jahrzehnten anschaue. Trotzdem bin ich einfach oft überrascht.

Es gibt meistens etwas zu sehen, womit ich nicht gerechnet habe. Es ist schwer zu beschreiben, was anders ist, aber die Antwort liegt doch nahe, wenn wir länger überlegen.

Es ist entweder unsere eigene Vorstellung, wie diese Menschen inzwischen aussehen werden nach dieser langen Zeit, und wir sind überrascht, ODER wir haben gar keine Vorstellung und haben diese Menschen bei uns im Kopf gespeichert, so wie sie damals waren. In beiden Fällen ist eine Überraschung oft vorprogrammiert.

Es ist die Unterscheidung zwischen unserer Vorstellung und der Realität. Zumindest für mich, liege ich oft vollkommen daneben, wenn ich versuche, meine Freunde und Bekannten vor vielen Jahren im Kopf altern zu lassen.

Diese Erfahrung zeigt uns erneut, wie oft wir vollkommen danebenliegen können, wenn wir uns nur versuchen, etwas vorzustellen.

Das betrifft übrigens nicht nur das Altern von Menschen, die wir seit Langem nicht mehr gesehen haben.

Markus und sein Fuß

Markus ist ein junger Mann, der Anregungen und Motivation gesucht hat, um ein wenig mehr Sport zu betreiben, als er sonst gemacht hat. Seine eigene Bedingung war, dass er diese Tätigkeit von zu Hause aus machen kann.

Fitnessstudios fielen zunächst aus und Anregungen aus dem Internet haben ihm nicht zugesagt.

Da Markus unabhängige und fachliche Unterstützung bekommen wollte, hat er auch nicht bei seinen Freunden gefragt, sondern bei Fitnesstrainern in seiner unmittelbaren Umgebung. Nichts hat ihm zugesagt oder funktioniert.

Rein zufällig habe ich in dieser Zeit mit der Freundin von Markus über ein ganz anderes Thema telefonisch gesprochen. Daraufhin hat sie mir erzählt, wie schwierig es für Markus war, ein passendes Trainingsprogramm zu finden.

Ich habe sie dann gefragt, warum es für ihn so schwierig war, etwas zu finden. „Nichts hätte zu ihm gepasst oder angesprochen“, war die Antwort.

Dann habe ich sie gefragt, warum nichts passt. Daraufhin sagte sie mir, dass er ein ganz bestimmtes Trainingsprogramm sucht, das er von zu Hause aus machen konnte.

Dann habe ich sie gefragt, was Markus bisher daran gehindert hat, ein vorgeschlagenes Trainingsprogramm wenigstens zu probieren. Dann kam eine lange Pause und sie sagte nichts, und ich habe ihr die Zeit gegeben, bis sie mir eine Antwort gibt oder entscheidet, mir keine Antwort zu geben.

15 Sekunden dürfte die Pause angedauert haben, aber wenn du selbst eine solche Pause erlebst, kommt sie wesentlich länger vor.

Dann sagte sie: Markus hat doch seinen Fuß beim Skifahren vor zwei Wochen angebrochen und er schämt sich, das zu sagen, weil seine Kollegen aus dem Sportverein sich dann über ihn lustig machen würden. Besonders, weil Markus viele Sprüche über seine Stärke gemacht hat, bevor er einen coolen Sprung machte, der die Verletzung verursacht hatte.

Nach dem Unfall hat er sogar noch ein wenig laufen können, aber mit vielen Schmerzen. Die anderen Menschen, die dort waren, haben nicht mitbekommen, dass Markus sich verletzt hat, und er wollte die ganze Sache für sich behalten.

Die Moral dieser wahren Geschichte?

Als Markus nach Trainingsmöglichkeiten suchte, hat niemand von seinen Einschränkungen gewusst und aus Scham wollte er niemandem etwas darüber erzählen.

Interessant hier waren seine Gespräche mit den Fitnesstrainern aus seiner Umgebung. Keine von denen hat danach gefragt oder geforscht, warum Markus die Vorschläge ablehnte.

Natürlich kann man behaupten, dass er selbst schuld ist, weil er nichts gesagt hat, aber ist das nicht unser Problem in vielen anderen Bereichen auch?

Wir liefern oft Antworten, die für uns selbst vielleicht selbstverständlich sind, aber für andere Menschen sind diese Antworten einfach nicht nützlich oder hilfreich.

Lieber nochmals fragen, bevor wir auf eine Antwort bestehen. Denke an Markus dabei.