Jede Orientierung ist eine Einschränkung

In unsicheren oder turbulenten Zeiten, wird umso mehr nach einer Orientierung gesucht.

Welche Politik ist die richtige? Welches Medikament hilft tatsächlich? Sogar eine Navigation im Auto benötigt eine Orientierung, um funktionieren zu können.

Es gibt unzählige Beispiele dafür, dass wir Orientierung benötigen und warum wir danach suchen.

Was gelegentlich vergessen wird, ist die Tatsache, dass jede Orientierung eine Einschränkung mit sich bringt.

Eine Einschränkung an Optionen oder Auswahlmöglichkeiten.

Eine Einschränkung an Befugnisse oder Berechtigungen.

Und in allen Fällen, eine Einschränkung der eigenen Entscheidungsfreiheiten.

Durch eine Orientierung, übergeben wir ein gewisses Maß an Vertrauen an den Orientierungsgeber und verlassen uns darauf, dass die gelieferte Orientierung für uns hilfreich und zweckdienlich ist.

Wir dürfen uns daher nicht einfach damit abfinden, alle angebotenen Orientierungen, die uns heute präsentiert werden, zu akzeptieren, ohne sie zu hinterfragen oder einer kritischen Prüfung zu unterziehen.

Das Hinterfragen und kritische Prüfen einer Reihe von Orientierungen kostet jedoch Zeit und Energie, und daher ist es viel einfacher, unkomplizierter und bequemer, sich einfach an die vorgegebenen Orientierungen zu halten.

In schwierigen Zeiten sollte man die Suche nach einer Orientierung im Leben niemals einfach hinnehmen, ohne sie zu hinterfragen oder kritisch zu prüfen, nur weil einem die Zeit oder die Energie dazu fehlt.

Wir haben alle die Zeit und die Energie dafür, nur manchmal vergessen wir es.

Beschäftigung durch Aufschieben

Eine bekannte Vorgehensweise, um über eine längere Zeit, beschäftigt zu sein, ist es, die jeweilige Tätigkeit oder Beschäftigung einfach hinauszuschieben.

Wenn der Arbeitstag um 17 Uhr endet, ist die Arbeit oft so organisiert, dass man pünktlich um 17 Uhr fertig ist und bis zu diesem Zeitpunkt die ganze Zeit über beschäftigt war.

Ich möchte hier ganz sicher keine Anschuldigungen erheben oder andere kritisieren; ich möchte lediglich einen Blick auf die Gründe werfen, warum viele Menschen Dinge aufschieben, denn meistens hat das überhaupt nichts mit der Arbeit oder ihrem Beruf zu tun.

Es ist die Angst, nichts zu tun zu haben, die zum Aufschieben führt.

Besser einer langweiligen Beschäftigung nachzugehen, als gelangweilt zu sein oder nichts zu tun zu haben.

Zudem misst unsere Gesellschaft „fleißigen“ und „ständig beschäftigten“ Menschen im Allgemeinen ein höheres Maß an Anerkennung bei als anderen.

Das sind nur einige Gründe, warum Menschen Dinge aufschieben, und obwohl es noch viele andere Gründe gibt, ist der Hauptgrund doch ihre eigene Angst davor, nichts zu tun zu haben.

Man kann das Aufschieben einer Aufgabe auch als künstliche Verschiebung bezeichnen. In solchen Fällen ist es immer entscheidend, sich bewusst zu machen, warum die Aufgabe aufgeschoben wird.

Weil du bis 17 Uhr so tun willst, als wärst du ununterbrochen beschäftigt, oder weil du Angst davor hast, nichts zu tun zu haben?

Es mag sich auch um eine Kombination aus vielen Faktoren und Gründen handeln, doch ein Grund sticht immer besonders hervor und ist die Hauptursache für das Aufschieben.

Je besser wir diesen Grund verstehen, desto besser können wir unser eigenes Verhalten und das anderer verstehen.

Überraschungen und Erwartungen

Eine Überraschung ist daher eine Überraschung, weil sie über unsere Erwartungen hinausgeht.

Diese Sichtweise auf die Bedeutungen und Auswirkungen von Überraschungen kann uns helfen, unsere Reaktionen darauf besser zu verstehen.

Eine Überraschung ist nicht nur ein unerwartetes Ereignis, sondern eine weitere Erfahrung, die über unsere Erwartungen hinausgeht.

Es gibt Unterschiede in unserer Wahrnehmung, unserem Verständnis und unserer Akzeptanz dessen, wie wir eine Überraschung bewerten, wenn wir sie als Erweiterung unserer Erfahrungen betrachten und nicht einfach als eine Überraschung, bei der wir nicht verstehen, warum wir überrascht waren.

Fehler bei Gelegenheit korrigieren

Manche Fehler müssen unverzüglich korrigiert werden, um negative Auswirkungen zu minimieren oder um einen Schaden zu vermeiden.

Andere Fehler hingegen müssen erst dann korrigiert werden, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet – oder, anders ausgedrückt, wenn sie aufgefallen sind.

Natürlich sind die konkreten Umstände der entscheidende Faktor dafür, ob Fehler aktiv aufgespürt oder korrigiert werden sollten, sobald sie bekannt werden, oder ob sie erst dann korrigiert werden können, wenn sie bemerkt werden.

Ein Beispiel für die sogenannte „passive Fehlerkorrektur“ ist dieser Blog selbst. Da ich schnell und impulsiv jeden Tag schreibe, und gleichzeitig versuche, keinen Bullshit, sondern stets einen Mehrwert für die Leser zu liefern, schleichen sich Fehler immer in meinen Texten ein. Fehler, die ich oft im Nachhinein und meistens zufällig entdecke.

Eine „aktive Fehlerkorrektur“ hingegen wird laufend bei Beratungen und Coachings praktiziert. Durch Nachfragen, Feedback und Überprüfungen, werden auch die meisten Möglichkeiten für Verbesserungen gleich entdeckt und somit unverzüglich umgesetzt werden können.

Es ist somit immer eine Frage der Wichtigkeit und der Auswirkungen von möglichen Fehlern, die die notwendigen Maßnahmen für ihre Korrektur darstellen.

Einen Tipp- oder Grammatikfehler hier im Blog zu entdecken, finde ich zwar ärgerlich, aber das Verständnis der Botschaft des jeweiligen Blogbeitrages wird dadurch in der Regel trotzdem nicht gefährdet, und der Fehler kann bei Gelegenheit korrigiert werden.

Ein Fehler bei einer Beratung oder bei einem Coaching hingegen, hat oft unverzügliche Konsequenzen und hat mit Tippfehlern nichts zu tun.

Daher ist es immer ratsam – und oft notwendig –, nach Fehlern zu suchen, doch muss der erste Schritt darin bestehen, die möglichen Folgen dieser Fehler zu ermitteln, bevor man überhaupt mit der Suche nach ihnen beginnt.

Was dein Handy alles im Hintergrund sendet

Dass unsere Handys viel Daten im Hintergrund überall senden, dürfte längst allgemein bekannt sein.

Ohne tiefer in die forensische IT-Forschung zu gehen und um detaillierte und manchmal unverständliche Erklärungen zu Datentransferprotokollen zu vermeiden, gibt es eine allgemeine Orientierung, die gut im Kopf behalten werden kann.

Dein Handy sendet durchschnittlich jede einzelne Minute etwas ins Internet, und hier reden wir lediglich von Internetverbindungen und DNS‑Abfragen und nicht von Mobilfunkverbindungen für die Telefonie.

Durchschnittlich eine Verbindung pro Minute, ob das Handy benutzt wird oder auf dem Schreibtisch liegt, dauerhaft, Tag und Nacht.

Und dieser Durchschnitt kann sich leicht durch einfache Nutzung in die Höhe treiben lassen.

Ich hatte die Idee für diesen Beitrag gestern Abend gehabt und daher habe ich meine Behauptung aktuell getestet.

Um genau 0 Uhr Mitternacht, habe ich meine bisherigen Protokolle für die Überwachung meines Handys gelöscht und habe mein Handy neu gestartet und nicht mehr bis jetzt benutzt.

Das Ergebnis?

Um 11:03 Uhr heute gab es bisher 669 Internetverbindungen (die meisten blockiere ich ohnehin, aber darum geht es hier nicht, sondern um die Zahlen) und 35 DNS-Abfragen.

11 Stunden und 669 Verbindungen machen circa 60 Internetverbindungen pro Stunde, also, eine Verbindung pro Minute. Ohne mein Handy benutzt zu haben.

Das allgemeine Interesse für Datenschutz, Open-Source-Software und für die Vorteile einer digitalen Selbstbestimmung kann oft wesentlich besser durch die eigenen Überzeugungen geweckt werden, als durch Belehrungen von Fachleuten.

Und dafür müssen wir als Fachleute unsere Botschaften einfacher und verständlicher machen, denn erst wenn Interesse geweckt wird, kann die Reise in die Tiefe des Wissens für andere Menschen beginnen.

Und wenn dich der Gedanke von einer Internetverbindung pro Minute von deinem Handy aus ein wenig stört, dann kann das ein guter Anlass sein, deine Reise in die digitale Selbstbestimmung schon heute zu beginnen oder zu vertiefen.

Gute Reise. 🙂