Warum Blogs nicht endlos scrollen sollen

Google praktiziert es seit Jahren. Minimalisten leben es aus. Die Werbeindustrie profitiert davon und hat es verstanden, gewinnbringend einzusetzen. Bücher leben auch von diesem Prinzip.

Weniger ist mehr und ein Ende sorgt für Zufriedenheit, da etwas beendet wird.

Es ist immer leichter zu entscheiden, wenn du nur zwei oder drei Möglichkeiten hast. Schwieriger wird es, wenn du 10 oder 15 Optionen zur Auswahl hast.

Ein Ende signalisiert, dass etwas zunächst vorbei ist. Ein Buch ist gerade zu Ende oder ein Werbespot ist fast vorbei (wobei das Ende der Werbung kommt mir meistens länger vor, als fast jedes Buch, aber das ist ein anderes Thema).

Facebook nutzt diese Eigenschaft aus, und zwar für eigene Zwecke. Es gibt bei Facebook kein Ende. Du scrollst einfach weiter und weiter, bis du nicht mehr kannst oder willst. Das ist auch das Geschäftsmodell, denn je länger du dabei bist, desto länger wirst du Werbung ausgesetzt sein. Perfekt, zumindest für Facebook.

Bei Blogs ist es ähnlich. Endlos zu scrollen, nur um weitere Blogbeiträge ohne Aufwand oder Mühe zu lesen, ist für den Leser meistens nicht hilfreich. Nicht umsonst hast du die Möglichkeit zu blättern, nach einer bestimmten Anzahl von Beiträgen. Du musst interagieren. Du musst etwas tun und die Entscheidung treffen, weiterzublättern.

Diese Interaktion ist es, die gute Blogs von werbefinanzierten Websites unterscheidet. Es ist der Unterschied zwischen aktivem Lesen und passiver Aufnahme von Inhalten. Lieber ein aktiver Leser als zehn passiver Leser, die nur weiterblättern.

Krypto-Ratschläge sind in Anmarsch

Und es geht nicht um Kryptowährungen oder Verschlüsselung von Dateien am PC, sondern um Ratschläge für Problemlösungen. Ein Krypto-Ratschlag ist ein Ratschlag, der nicht ohne geistige Entschlüsselung verstanden werden kann und bei manchen Experten ist die geistige Verschlüsselung extrem stark und kaum zu knacken, ähm, ich meine verstehen.

Beispiel: Der Experte hat gesprochen und es wurde trotzdem nichts verstanden. Erst mit einer Entschlüsselung (Erklärung) kann der Sachverhalt einigermaßen verstanden werden.

Krypto-Ratschläge sind auch Ratschläge, die allgemeingültig sind und erst mit einer Verzerrung und Anpassung von Inhalten kann eine Verbindung zum Problem hergestellt werden.

Beispiele: Horoskope und chinesische Glückskekse.

Krypto-Vorschläge verdeutlichen und offenbaren Defizite der Kommunikationsfähigkeiten des Ratgebers. Der beste Ratschlag bringt herzlichst wenig, wenn der Ratgeber nicht verstanden wird.

Nützlich oder nur Unterhaltung?

Gestern habe ich erneut einen Blogartikel über die angeblich so bösen Datenschutzverletzungen der digitalen Industrie gelesen. Wie in den meisten Fällen ist auch hier zwar etwas dran und es schadet nicht, ein wenig Aufmerksamkeit und Verständnis der Sache zu widmen. Aber darum ging es nicht in diesem Beitrag, sondern wurde ausführlich und detailliert aufgeführt, wer, was und wann etwas gegen die Datenschutzverordnungen gestoßen hat.

Also, letztlich eine Liste der „bösen Taten der bösen Buben“ aus Sicht des Autors.

Und auch hier wurde weder Alternative noch Handlungsmöglichkeiten aufgelistet. Vermutlich deswegen, weil der Autor so derart ermüdet war, diese Liste zu erstellen, dass er einfach keine Kraft mehr hatte, mögliche Lösungen aufzuzeigen. Oder doch tatsächlich kein Interesse gehabt.

Aus solchen Beiträgen lernt man für effektive Problemlösungen in diesem Bereich nichts. Die Liste dient lediglich der Unterhaltung, weil sonst keine Informationen angeboten wurde. Quasi wie eine Top-10-Liste der Nutzlosigkeit.

Das Wissen an sich ist weder nützlich noch vorteilhaft, wenn wir keine Handlungs- oder Entscheidungsmöglichkeiten daraus ableiten oder entwickeln können.

Die freudige Extra-Aufgabe

Die freudige Extra-Aufgabe ist eine gewisse Tätigkeit, die du für später aufheben kannst. Wenn es so weit ist, soll die Ausführung dieser Tätigkeit dir einer Freude bereiten und gleichzeitig eine Aufgabe erledigen.

Die freudige Extra-Aufgabe ist aber nicht zu verwechseln mit einer Tätigkeit oder Aufgabe, die einfach nur Spaß macht. Die freudige Extra-Aufgabe muss gleichzeitig eine Aufgabe erledigen oder sie zumindest schrittweise der vollständigen Erledigung näher bringen.

Die freudige Extra-Aufgabe sorgt nicht nur für Ablenkung und Belohnung bei der Ausführung, sondern erleichtert unseren Alltag auch und hilft uns, schwierige Zeiten besser zu bewältigen.

Solche Extra-Aufgaben sind zu finden und für später aufzuheben, bevor du sie tatsächlich benötigst, denn wenn du sie brauchst, findest du sie meistens nicht.

Erst zuhören, dann reden, egal, wie alt du bist

Gestern wurde ich gebeten, eine Gruppe von sechs Jugendlichen bei der Vorbereitung einer Gerichtsverhandlung zu beraten und zu coachen. Die Beratung einer Gruppe ist an sich schwierig, weil unterschiedliche Meinungen, Persönlichkeiten und Lebenseinstellungen gleichzeitig berücksichtigt werden müssen.

Passiert ist genau das, was immer passiert, auch bei Erwachsenen. Es gab welche, die sehr viel geredet haben und welche, die gar nichts gesagt haben. Daraufhin habe ich meine Taktiken und Methoden angepasst und alle waren dann angemessen und gleichermaßen involviert.

Trotzdem ist eine Eigenschaft immer vorhanden: Das Bedürfnis zu reden. Mit klaren Strukturen und Vereinbarungen kann dieses Bedürfnis jedoch angemessen unterbunden werden und so war es bei den jungen Menschen. Anschließend kamen alle zu Wort, aber schön der Reihe nach und mit gegenseitigem Respekt für die Meinung anderer.

Und dann kamen zwei Eltern von den Jugendlichen unerwartet dazu und beide hatten das Bedürfnis zu reden. Beide Eltern haben alles besser gewusst und hatten eine starke Meinung, wie alles zu laufen hat.

Ich war dann fertig und habe meine Beratung und Coaching somit beendet.

Wir jammern oft über die Jugendlichen von heute, aber es kommt immer wieder vor, dass es die jungen Menschen sind, die eher bereit sind, zuzuhören und zu lernen, während die älteren und angeblich erfahrenen Menschen damit Schwierigkeiten haben.